Ein Rückblick auf die private Feier im Rittersaal des Schloss Rapperswil in der Schweiz und die offiziellen Feierlichkeiten am Stammsitz von MEPHISTO in Sarrebourg, Frankreich.
4. Juli 2026
Private Feier Schloss Rapperswil, Schweiz

Rede von Martin Michaeli anlässlich seines 90. Geburtstags am 4. Juli 2026 in Pfäffikon
Liebe Freunde,
ihr seid alle meine Freunde, sonst wärt Ihr heute nicht hier. Ich habe viele Freunde, die ich nicht einladen konnte, da sie keine 90 Jahre alt wurden.
Ich muss meinem Schöpfer dankbar sein. Er meint es gut mit mir. Der liebe Gott hat dafür gesorgt, dass ich eine wunderbare Familie habe.
Mit meiner lieben Frau Andrea und ihrer Tochter Zahra, mit meinen beiden Kindern, meine Tochter Stephanie mit David und meinem Sohn Marc mit Nathalie sowie meinen 6 Enkelkindern habe ich grosses Glück.
Meine Andrea kommt aus einer bayerischen Großfamilie, von der ich von allen lieb aufgenommen wurde und in der ich mich sehr wohl fühle.Mit meiner lieben Schwiegermutter Edith, die 3 Jahre älter ist als ich, verstehe ich mich bestens. Leider kann Edith bei unserem Fest nicht dabei sein, da der weite Weg sehr anstrengend für sie wäre, was ich gut verstehe. Auch ein Teil der Familie ist heute nicht dabei – mein Haus ist einfach nicht gross genug.
Sowie meine liebe Frau, die aus dem tiefsten Bayern kommt, kam auch die Mutter meines Vaters, meine Großmutter „Rosa“, aus Bayern. Sie verliebte sich in den Valentin, meinen Großvater, der aus dem Saarland stammte. Rosa ging mit ihrem Valentin ins Saarland.
Viele Jahre später hat sich das Gleiche wieder zugetragen.
Die Bayerin Andrea hat sich in den deutsch-amerikanischen Franzosen Martin verliebt und ist mit ihm in die Schweiz gezogen.
Die Welt ist klein.
Ein paar Worte zu meinem Leben.
Ich glaube, ihr alle wisst etwas von meinem Leben, aber keiner kennt die ganze Geschichte.
Ich möchte euch kurz, etwas davon erzählen.
Ich bin ein Kriegskind und war damals 10 Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging.
In meinen jungen Jahren, war ich in der Dordogne, in der Nähe von Bordeaux, in Frankreich, in Italien und in Deutschland. Dort habe ich in verschiedenen Schuhfabriken Praktika gemacht. Das war die Voraussetzung dafür, dass ich bereits mit 19 Jahren die Schuhfachschule in Pirmasens besuchen konnte und nicht bis zum Alter von 21 Jahren warten musste.
In Pirmasens habe ich meinen Abschluss als Schuhingenieur gemacht.
Mein grösster Wunsch war es, nach Amerika zu gehen, um den Amerikanern zu zeigen wie Schuhe gemacht werden. Das hatte ich fest in meinem Kopf. Der Wunsch wurde immer stärker, und mit 21 Jahren ging ich nach Amerika.
Ich hatte dort weder Verwandte noch Bekannte. Ich hatte kein Geld und sprach nur wenig Englisch. Aber ich wollte nach Amerika.
Mit meinem Koffer, der dort drüben steht, bin ich zusammen mit 8 fremden jungen Männern in einer Kabine 10 Tage und 10 Nächte auf einem Schiff von Europa nach New York gefahren. Es war übrigens nicht erster Klasse.
Im Empire State Building, in dem viele Schuh- und Textilfabriken ihre Büros hatten, lernte ich einen Schuhfabrikanten namens „Mr. Passweg“ aus Österreich kennen. Er hatte zu Beginn des Krieges sein Land verlassen müssen, da er jüdischen Glaubens war.
Mit seinem Modelleur fuhr ich nachts zu einer seiner drei grossen Schuhfabriken nach Gettysburg in Pennsylvania, wo ich am nächsten Tag als Lederzuschneider anfing.
Selbstverständlich habe ich schnell Englisch gelernt und mich in verschiedenen Schuhfabriken als Schuhmodelleur beworben. Es standen mir viele Möglichkeiten offen. So entwickelte ich mich im Laufe der Zeit bei verschiedenen Firmen vom Hilfsarbeiter bis zum Betriebsleiter.
Ich hatte überall schnell Anschluss gefunden. Es ging mir blendend und ich wollte nicht mehr zurück.
Ich hatte ein Studentenvisum, damit ich nicht zum Militär eingezogen wurde. Nach vielen Jahren, kam jedoch die Einwanderungsbehörde auf mich zu und fragte mich, wie so ein Student soviel Geld verdienen könne.
Meine Antwort lautete: „Ich lerne jeden Tag.“
Es half alles nichts. Ich musste zurück. Gleichzeitig wollte ich auch wieder nach Hause und zurück nach Europa, denn ich hatte mir vorgenommen, mein eigenes Unternehmen zu gründen.
Das war möglich, weil ich mir eine gewisse Summe an Dollar zusammengespart hatte.
Im Elsass, in Frankreich, gründete ich meine Firma. Ich arbeitete Tag und Nacht und hatte eines Tages, die grösste Schuhfabrik Frankreichs –
mit 85 Prozent Exportanteil in fast 80 Ländern der Welt.
1995 wurde ich von dem französischen Präsidenten François Mitterrand mit dem Verdienstorden „Chevalier de l’Ordre National Du Merite“ geehrt.
Im Jahr 2000 verlieh mir der Präsident der Französischen Republik, Jaques Chirac, den höchsten Orden Frankreichs, „Chevalier de la Legion D’Honneur“.
1999 wurde ich unter 11.000 selbständigen Betriebsinhabern in Frankreich zum Unternehmer des Jahres gewählt. Zu diesem Anlass wurde mir zu Ehren in Paris im „Musee des Arts Forains“ ein grosses Fest mit 400 geladenen Gästen veranstaltet.
Ich könnte euch noch so lange aus meinem Leben erzählen, doch möchte ich an dieser Stelle aufhören.
Ich habe eine Biographie auf Deutsch und Französisch geschrieben mit dem Titel:
„Wohin mich meine Schuhe trugen“
Ausserdem habe ich zum 50-jährigen Bestehen der „Firma Mephisto“ ein Jubiläumsbuch über die Entstehung des Unternehmens der Firma in deutscher, französischer und englischer Sprache verfasst.
Eins möchte ich noch zu meiner Zeit in Amerika bemerken.
In der letzten Firma, in der ich als Betriebsleiter tätig war, war einer der Mitbesitzer der Firma Milton Lown, der mein Freund wurde.
Als ich 80 Jahre alt wurde, war er bereits 90. Er hat sich selbst eingeladen und kam mit seinem Sohn David, einem Arzt, zu meiner Geburtstagsfeier in die Weltstadt Pfäffikon.
Zur großen Geburtstagsparty, sang er mir zu Ehren zwei Soli:
„My Way“ und „Ave Maria“.
Er verfügte über eine ausgebildete Gesangsstimme und stammte aus einer sehr angesehenen Familie.
Sein Bruder erhielt den Nobelpreis für Herzchirurgie, den er mit einem russischen Arzt teilte.
Seine Biographie habe ich zuhause.
Ich erwähne dies, damit man versteht, warum es mir nicht leichtfiel, mich von Amerika zu verabschieden. Ich hatte dort gute Freunde und das Land war zu meinem „Zuhause“ geworden.
Als ich wieder in Europa war, sprach ich Deutsch und Französisch mit einem starken amerikanischen Akzent.
Der Weg zu diesem Erfolg war nicht immer bequem. Ich habe Tag und Nacht gearbeitet, um dorthin zu kommen, wo ich heute bin.
Ich sage euch das Wichtigste ist, das richtige Schuhwerk zu tragen, damit man sein Ziel erreicht.
Mein Leben lang habe ich mit grosser Leidenschaft dafür gesorgt, dass andere gut gehen können.
Jetzt, mit „90“ Jahren bin ich zufrieden, wenn ich selbst noch gut gehen kann. ………
Mag sein, dass ich nicht mehr so schnell bin wie früher – aber ich habe einen verdammt langen Atem – und sowieso die allerbesten Schuhe.
Eins habe ich all die Jahre gelernt:
Irgendwo drückt immer mal der Schuh.
Manchmal vorne, manchmal hinten, und manchmal weiß man gar nicht genau, warum oder wo.
Aber am Ende gilt immer eins:
Einlaufen, durchhalten – und „dann wird auch alles wieder gut.“
Das ist eigentlich mein Lebensmotto geworden.
Wenn ich heute hier in die Runde schaue…..
………so viele großartige Freunde.
Einige kenne ich schon seit Jahrzehnten. Mit vielen von euch, habe ich wunderbare, lustige Momente und die wildesten Feste erlebt.
Einige meiner Mitarbeiter, sind heute auch unter uns.
Unsere Zusammenarbeit, unsere gemeinsamen Herausforderungen und Projekte, über all die Jahre haben meine Arbeit und mein Leben bereichert.
Auch ihr seid Freunde geworden und ein Teil der Familie.
Noch einmal vielen Dank, dass ihr heute hier seid. Manche von euch haben eine weite Reise auf sich genommen, um mit uns zu feiern.
Lasst uns weiterhin viele schöne Momente miteinander erleben und uns gegenseitig unterstützen – denn das ist es, was das Leben lebenswert macht.
Eine Aufgabe habt ihr allerdings heute:
Tanzt, singt und feiert!
Das ist heute meine grösste Freude und euer schönstes Geschenk an mich.
Jetzt lassen wir es krachen.
Und in jedem Fall trinken wir jetzt schon auf die nächsten 10 Jahre, auf den 100. Geburtstag.
Ich werde da sein und ich hoffe, ihr seid alle wieder dabei!
Cheers, Prost, Sante, Le’chaim,Salute!
Offizielle Feier am Stammsitz von MEPHISTO in Sarrebourg, Frankreich am 23. Juli 2026





Und das sagen seine Kinder über ihn
Ihr denkt alle, dass unser Vater erst seit Kurzem schlecht hört, aber das stimmt nicht. Er hat noch nie jemanden gehört, wenn man zu ihm nein gesagt hat. Für ihn klang es immer wie ja. Und genau deshalb hat er Erfolg gehabt: Er hat immer an sich geglaubt.Papa, du hast deine berufliche Laufbahn nicht nur mit harter Arbeit aufgebaut, sondern auch mit deinem einzigartigen Talent, nur das zu hören, was dir gefällt. Wenn jemand sagte: „Das ist unmöglich“, hast du gehört: „Mach es.“ Wenn jemand sagte: „Vorsicht“, hast du gehört: „Los geht’s.“ Und am Ende hattest du recht: Du hast geschaffen, geführt, aufgebaut und bist immer weitergegangen – mit einer Entschlossenheit, die man nur bewundern kann.
Du bist durch dein Berufsleben gegangen, wie du heute durchs Leben gehst: mit Willenskraft, Humor und einer guten Portion selektiver Hörfähigkeit. Und genau das hat dich erfolgreich gemacht und zu dem Mann, den wir heute feiern.
Mit 90 Jahren stehst du immer noch fest im Leben, stolz, stark und bereit, deine Meinung zu sagen… auch wenn du unsere nicht hörst. Und das ist völlig in Ordnung. Denn dein Erfolg zeigt, dass man weit kommt, wenn man an sich glaubt – und manchmal nur auf sich selbst hört.
Papa, herzlichen Glückwunsch zu allem, was du erreicht hast. Und vor allem: Alles Gute zum Geburtstag.
© Copyright 2026 Martin Michaeli | Alle Rechte vorbehalten

